DAS SEEPFERDCHEN UND SEIN STERN
Eigentlich wollte der Barkeeper schon schließen, aber das Seepferdchen durfte sich noch einen Virgin Plankton bestellen. Es hatte den ganzen Abend an der Bar gesessen und auf seinen Stern gewartet. Stern – so nannte das Seepferdchen seine Freundin. „Wenn wir uns lieben, schmeckt ihr Schweiß nach Limonade. Ich hätte gerne tausend Arme, mit denen ich sie umarmen kann. Ich würde sie so gerne festhalten, aber ich hab’ nur meine kleinen Vorderflossen. Wir streicheln uns eben ganz viel”, hat das Seepferdchen erzählt. „Manchmal, wenn die Sonne untergegangen ist, suchen wir uns eine kleine Meeresströmung und lassen uns Flosse in Flosse treiben. Wir schließen unsere Augen und hören das Salz im Meer, wir hören das Blubbern, wenn kleine Luftbläschen an unsere Kiemen stoßen. Und wenn ich ihre Flosse halte, spüre ich ihren Puls.” Das Seepferdchen begann zu lachen. „Einmal haben wir so getan, als hätten wir Näbel. Wir haben uns gegenseitig einfach kleine Luftbläschen auf die Bäuche geklebt.” „Wo ist denn dein Stern?”, fragte der Barkeeper – und wusste, dass er sich diese Frage eigentlich selbst stellte.